Waldemar Stelmach, Delivery Director

Lesezeit: 8 Minuten

Ein weiteres erfolgreiches e-Leasing Day liegt nun hinter uns – eine jährliche Konferenz, die vom Polnischen Leasingverband organisiert wird, mit dem wir seit 2022 zusammenarbeiten. Auch in diesem Jahr waren wir erneut als unterstützender Konferenzpartner dabei und kamen in der inspirierenden Umgebung des Olympischen Zentrums in Warschau mit der polnischen Leasing-Community zusammen.

Unter dem Motto „Architekten der Zukunft“ setzte die Veranstaltung die Richtung für Diskussionen darüber, wie sich die Branche unter dem Druck der beschleunigten Digitalisierung, des rasanten Wachstums von KI, neuer regulatorischer Rahmenbedingungen sowie sich wandelnder Erwartungen von Kunden und Mitarbeitern neu definiert.

An zwei intensiven Tagen drehten sich die Diskussionen um Technologie, Strategie, Daten und die Zukunft der Beziehungen zu Leasingkunden. Mit Blick nach vorne und der Übertragung der relevantesten Konferenzerkenntnisse in zukünftige Maßnahmen und den täglichen Einsatz aus der Perspektive eines Technologieanbieters für die Leasingbranche gehen wir nun die wichtigsten Erkenntnisse durch. Außerdem fassen wir die Keynote von Kamil Portka, Vorstandsmitglied und Leiter Produkte bei Ailleron, sowie Piotr Maj, Vorstandsmitglied bei Millennium Leasing, zusammen, die die Ergebnisse eines Proof of Concept (PoC) präsentierten, der für unseren Kunden als praktisches Validierungsinstrument durchgeführt wurde und eine Geschäftsidee in eine greifbare Lösung überführt.

Inhaltsübersicht

  1. Warum sich frühes Testen von Ideen im Leasingbereich wirklich auszahlt?
  2. Ergebnisse des Proof of Concept und Erkenntnisse aus realem Customer Onboarding
  3. Wo funktioniert PoC im Leasing am besten? Empfohlene Prozesse für Experimente
  4. Schnellerer Weg zur Validierung von Kundenerwartungen im Leasing

Beginnen wir damit, warum sich Millennium Leasing entschieden hat, das Konzept überhaupt durch einen Proof of Concept zu validieren. Die Entscheidung basierte auf dem klaren Verständnis, dass ein PoC in erster Linie ein Managementinstrument ist – eines, das dabei hilft zu prüfen, ob eine Geschäftsidee tatsächlich sinnvoll ist, bevor sie Budget, Zeit und die gesamte organisatorische Kapazität beansprucht. Dieser Ansatz ist im Leasing besonders relevant, einer Branche mit komplexen, mehrstufigen Prozessen, in der selbst kleine Fehler schnell skalieren können. Gleichzeitig sind Transformationsbudgets oft deutlich geringer als im Bankensektor, was jede Investitionsentscheidung umso kritischer macht.

Gleichzeitig steigen bei Leasingkunden die Erwartungen an die fortschreitende Digitalisierung des Bankwesens weiter an – mit einem klaren Fokus auf Einfachheit und leichten Zugang zu digitalen Services. Dadurch verändern sich nicht nur rechtliche Rahmenbedingungen und Vertriebsmodelle, sondern auch die Anforderungen der Kunden.

In diesem Kontext fügt sich der Bedarf an PoC-Initiativen nahtlos in die Landschaft ein, da sie keine vollständige Transformation versprechen, sondern kontrolliertes Experimentieren in einer realen Geschäftsumgebung ermöglichen.

Warum sich frühes Testen von Ideen im Leasingbereich wirklich auszahlt?

Unter diesen Bedingungen werden langfristige Transformationspläne, die auf festen Annahmen beruhen, zunehmend unsicherer und weniger effizient. Wert entsteht immer stärker durch Maßnahmen, die:

  1. Hypothesen schnell überprüfbar machen,
  2. das Risiko schlechter Entscheidungen reduzieren,
  3. Daten statt Meinungen liefern.

Bei Millennium Leasing begann alles mit einer klaren Hypothese: Kunden sollten in der Lage sein, die ersten wichtigen Schritte des Leasingprozesses eigenständig in einem vollständig digitalen Setup durchzuführen. Anstatt direkt eine vollständige Einführung zu planen, entschied sich das Team für einen mehrmonatigen PoC in einer realen Betriebsumgebung – mit echten Kunden und vollständiger Integration in die Systeme des Leasinggebers.

Der Umfang umfasste:

  • digitales Onboarding,
  • Online-Antragstellung,
  • Identitätsprüfung,
  • Kommunikation über einen einzigen Kanal.

Jahrelange Erfahrungen aus reifen IT-Märkten zeigen ein konsistentes Muster: Die größte Herausforderung der digitalen Transformation liegt selten in der Technologie selbst, sondern in fehlerhaften Ausgangsannahmen.

In der Praxis bedeutet das, dass Organisationen häufig Lösungen implementieren, die technisch einwandfrei funktionieren, aber die tatsächlichen Nutzerprobleme nicht lösen. Deshalb übernehmen immer mehr Unternehmen eine Denkweise aus der Startup-Welt, in der das Testen von Hypothesen durch PoC kein Projektmeilenstein, sondern Teil der täglichen Arbeit ist. Die Kernidee ist einfach: validieren, was Nutzer tatsächlich brauchen, nicht was wir annehmen, dass sie brauchen.

Diese Denkweise passt besonders gut zum Leasing. Eine vollständige Implementierung betrifft hier nicht nur ein System, sondern gleichzeitig Vertrieb, Betrieb, Risiko und IT, was eine frühe Validierung besonders wertvoll macht. Die Rolle von PoC hat sich klar weiterentwickelt. Es geht nicht mehr um die Frage „können wir es bauen?“.

Die eigentlichen Fragen lauten heute:

  • was sich tatsächlich zu bauen lohnt – und in welcher Reihenfolge,
  • ob Kunden die neue Lösung wirklich nutzen wollen,
  • ob sie ihre alltäglichen Probleme löst,
  • ob sie den Prozess vereinfacht, die Konversion verbessert oder die Servicekosten senkt.

Leasingprozesse sind naturgemäß mehrstufig und verteilt. Sie erfordern die Koordination zwischen Teams, die Integration externer Datenquellen sowie ein hohes Maß an Sicherheit, wodurch selbst kleine Änderungen weitreichende operative Auswirkungen haben können. Ein klar begrenzter Umfang und eindeutig definierte Ziele ermöglichen es, zu identifizieren, was tatsächlich digitalisiert werden muss – und was lediglich eine interne Gewohnheit und kein echtes Bedürfnis ist.

Vor allem bedeutet ein gut gestalteter PoC keine Störung oder radikale Veränderung des Tagesgeschäfts. Im Gegenteil – er ermöglicht es großen Organisationen, Stabilität mit der Flexibilität von Startup-Denken zu verbinden. Dadurch können Unternehmen Experimente parallel zum laufenden Betrieb durchführen, Daten sammeln und Schlussfolgerungen ziehen, ohne die Kontrolle über Prozesse zu verlieren.

Ergebnisse des Proof of Concept und Erkenntnisse aus realem Customer Onboarding

Nach drei Monaten wurden bereits 47 % der Anträge über die neue Plattform eingereicht. Bis April 2026 stieg dieser Anteil auf über 60 %. Der Prozess erwies sich als mehr als doppelt so schnell wie die traditionelle Journey, und Kunden nutzten schnell die mobile Identitätsprüfung über den Dienst mObywatel (58 %).

Ebenso wichtig war es zu identifizieren, an welchen Stellen Nutzer absprangen und was noch verbessert werden musste. Der eigentliche Wert des PoC lag jedoch nicht in den Zahlen selbst, sondern darin, dass Entscheidungen über die weitere Entwicklung auf realen Nutzungsdaten basieren konnten und nicht auf Annahmen oder Deklarationen. Bei Millennium Leasing führte dies zu einer klaren Richtung: welche Teile des Prozesses bereit für Skalierung sind und welche noch getestet und verfeinert werden müssen, ohne das gesamte Projekt neu starten zu müssen.

Wenn man die Entwicklung des Leasingmarktes betrachtet, wird deutlich, dass der größte Raum für Experimente in kunden- und partnernahen Prozessen liegt. Dort zeigt sich am schnellsten, ob Digitalisierung Prozesse tatsächlich vereinfacht oder lediglich Komplexität in einen neuen Kanal verlagert.

Einer der natürlichsten PoC-Ansätze ist digitales Onboarding im Mobile-First-Design. Smartphones sind heute das wichtigste Werkzeug vieler Kunden, insbesondere bei Kleinstunternehmen, und gerade auf mobilen Bildschirmen werden Reibungspunkte zuerst sichtbar – unnötige Schritte, unklare Formulare und unlogische Prozessstrukturen. Aus PoC-Sicht wird mobiles Onboarding damit zu einem echten „Wahrheitstest“ für die Leasing-Journey. Wenn ein Kunde den Prozess nicht einfach auf dem Smartphone starten kann, liegt das Problem meist nicht in der Technologie, sondern im Prozessdesign.

Ein weiterer starker Testbereich ist die Konfiguration von Preisen und Leasingangeboten. Immer mehr Organisationen experimentieren mit Modellen, in denen Kunden Finanzierungsparameter selbst anpassen und sofort die Auswirkungen auf Raten und Gesamtkosten sehen können. Hier spielt nicht das Tool selbst die entscheidende Rolle, sondern die Frage, wie es das gesamte Kundenerlebnis unterstützt – und ob größere Transparenz und Self-Service tatsächlich zu schnelleren Entscheidungen und höheren Konversionsraten führen.

Forschungen von McKinsey & Company zeigen, dass B2B-Kunden zunehmend Erfahrungen erwarten, die aus dem Konsumentenbereich bekannt sind – einfach, schnell und standardmäßig digital und selbstständig nutzbar. Leasing ist zwar kein Impulskaufprodukt, doch die Erwartungen verschieben sich deutlich – insbesondere bei jüngeren Unternehmern. Diese Entwicklung wird auch durch Erkenntnisse des Polski Związek Leasingu bestätigt, die zeigen, dass zwar Beratung weiterhin eine Rolle bei Entscheidungen spielt, Kunden jedoch keine übermäßig komplexen Beziehungen erwarten; sie wünschen sich vor allem das, was ihnen hilft, den Prozess effizient zu durchlaufen.

Schnellerer Weg zur Validierung von Kundenerwartungen im Leasing

PoC-Projekte ohne mobile Komponente spiegeln zunehmend nicht mehr wider, wie sich Nutzer tatsächlich verhalten. Mobile führt alles auf die Grundlagen zurück, indem es Einfachheit erzwingt und schnell offenlegt, ob ein Prozess aus Kundensicht oder aus internen Strukturen heraus gestaltet wurde.

Es gibt die verbreitete Annahme, dass Leasing keine starke mobile Präsenz benötigt, da es sich um ein Produkt handelt, das nur gelegentlich genutzt wird – oft nur einmal alle paar Jahre. In der Praxis jedoch endet die Beziehung zur Dienstleistung nicht mit dem Vertragsabschluss, sondern setzt sich über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg fort. Mobile wird zum alltäglichen Kanal für Angebotsvergleiche, Statusabfragen, Kommunikation, Dokumentenverwaltung oder Zahlungsabwicklung. Das Erlebnis wird nicht durch den Moment der Unterzeichnung definiert, sondern durch eine Reihe kleiner Interaktionen, die sich über Wochen oder Monate verteilen.

Der Fall von Ailleron und Millennium Leasing zeigt, dass selbst ein relativ kurzer, gut strukturierter PoC wertvolle Erkenntnisse liefern kann, die bessere, datengetriebene Entscheidungen ermöglichen. Anstatt auf Annahmen zu vertrauen, erhalten Organisationen Klarheit darüber, was skalierbar ist und was noch verbessert werden muss. In einem sich schnell verändernden Umfeld ist genau diese Erfahrung zunehmend das, was echten Wert definiert.

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Ailleron - Why More Leasing Companies Should Be Testing Business Concepts? Customer Onboarding PoC at Millennium Leasing

Waldemar Stelmach Delivery Director

Projektmanager mit mehr als 10 Jahren Erfahrung im IT-Bereich und mehr als 5 Jahren Erfahrung in der Bereitstellung digitaler Lösungen im Finanzsektor. Ein Teammanager und Experte mit einem soliden technischen und analytischen Hintergrund in Kombination mit einem hohen Geschäftsbewusstsein. Erfahren im Scrum-basierten Projektmanagement, insbesondere für Selbstbedienungs- und Vertriebsunterstützungssysteme sowie für Systeme, die mit E-Commerce-Plattformen zusammenarbeiten.

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